Die Charts als Form der Meinungsäußerung

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Was für eine Woche: Fußball-Wahnsinn (in Dortmund und doppelt in München), die Drosselkom-Proteste und der Rangel-Song. Die Phänomeme der vergangenen Tage scheinen unzusammenhängend, es gibt aber einen Verbindung zwischen all dem: die Charts.

Denn sowohl beim Fußball, als auch beim HalliGalli und beim Protest spielt die Musik eine Rolle - mit unterschiedlichen Chartplatzierungen:

Fußball: Eine Fan-Gruppe versuchte auf den Götze-Transfer zu den Bayern zu reagieren, in dem sie den Song “Bayern” von den Toten Hosen an die Spitze der Charts bringen wollte. Bisher hat die entsprechende Facebook-Seite noch keine 200 Fans, selbst in Wochen mit schlechten Verkäufen wird das nicht für die Champions-Legue der Charts reichen. Aktuell reicht es gerade so für die Top 200. Der Song befindet sich in den iTunes-Single Charts auf Platz 196.

Drosselkom: 138 Plätze weiter oben findet sich der Song "Funktional Kaputt", der ebenfalls einen Phänomeme-Bezug aufweist. Sein Text stammt  aus dem MobileMac-Podcast und seine Macher verstehen den Song als Protesthymne gegen die Drosselkom-Pläne der Telekom. Auf netzpolitik kann man nachlesen, dass die Erlöse aus dem Verkauf an den Verein Digitale Gesellschaft gehen werden.

Rangeln: Noch weiter oben steht Olli Schulz mit seinem Rangel-Song in den Charts. Aktuell auf Platz 15 - zwischen Bruno Mars und Wax. Aber er durfte das Lied ja auch - anders als die anderen - am Montag im Fernsehen vorsingen.

Die Idee, die Charts zum Ausdruck einer Meinung zu machen, ist übrigens nicht neu: Im Jahr 2009 wurde der damals schon alte Song "Killing in the name of" zum Protestlied gegen die Dominanz der Casting-Songs in den Weihnachts-Charts. Die Band “Rage Against The Machine” sprach damals von einer “unglaublichen Graswurzel-Kampagne”, die sich anschließend viele zum Vorbild nahmen - aber nur wenige wirklich erreichten.

Zuletzt zeigten wieder die musikbegeisterten Briten, wie der Musikkauf zur Meinungsäußerung werden kann. Nach dem Tod der früheren Premierministerin Thatcher landete plötzlich der Song "Ding Dong The Witch is Dead" in den Top Ten.