Wie Internet-Meme zu Politik werden

Laina Morris ist webbekannt. Laina Morris ist "the overly attached girlfriend". Sie ist das Mädchen, dessen aufgerissene Augen und ihr offener Mund zu einer der meistkopierten Vorlagen des Jahres 2012 für weiße Versalien-Buchstaben im schwarzem Rand wurden. Mit dieser Schrift versehen Phänomeme-Freunde bekannte Bilder und schaffen so einen neuen Kontext. Dieses Prinzip machen sich jetzt Netzpolitiker zu eigen.

Lainas Foto aus dem für deutsche Nutzer gesperrten Justin Bieber Fanvideo wurde zu einem der Web-Phänomeme des vergangenen Jahres - alle großen Popularitätsschleudern des Netzes dokumentieren das - bei Buzzfeed, reddit bis zu Quickmeme ist overly attached girlfriend ein großes Thema.

Seit Freitag ist Laina auch auf der Seite privacymemes zu sehen …image

… einer Seite, die sich nicht nur mit Laina befasst, sondern mit fast allen ihrer Brüder und Schwestern, die im Jahr 2012 auf ähnliche Art bekannt wurden. Es geht um Meme, die sich mit rasender Geschwindigkeit durchs Netz verbreiten - weil sie absonderlich sind oder lustig oder ein abersonderlich lustiger Spaß. Privacy Memes möchte das nutzen - für Dinge, die nicht immer nur Spaß sind: für Politik. Konkret für europäische Datenschutzpolitik. Die Seite fordert ihre Leser auf, ein eigenes Mem zu erschaffen, vorzuschlagen und unter dem Hashtag #EUdataP zu verbreiten - mit Hilfe dieser auf Datenschutzpolitik gedrehten Netz-Popularitäten sollen Europabgeordnete daraufhingewiesen werden, warum die Privatsphäre der Webuser von Bedeutung ist. 

Unterstrichen wird dies von Netzprominenz, die eher wegen ihrer Inhalte bekannt ist: Cory Doctorow erklärt zum Beispiel Why Privacy Matters. Die Kombination von inhaltlicher Netzpolitik mit formalen Netz-Phänomemen könnte erfolgreich sein - und Interesse auf Themen richten, die sonst weniger populär wären. Darauf hoffen jedenfalls die unterzeichnenden Organisationen - aus Deutschland sind der Chaos Computer Club, der AK Vorrat und die Digitale Gesellschaft dabei.