Bashtag: #MyNYPD

Ein Hashtag ist ein mit Rautesymbol eingeleitetes Kurzwort, das in Social Media Kanälen wie Twitter oder Instagram verwendet wird. Was ein Bashtag ist, kann man aktuell am Beispiel der Abkürzung #MyNYPD nachvollziehen. Unter diesem Schlagwort wollte die New Yorker Polizei auf Twitter Bilder einsammeln, die die Freunde und Helfer in guter Zusammenarbeit mit der Bevölkerung zeigen - so jedenfalls war der Aufruf gedacht …

… der kurz darauf zweckentfremdet wurde, und aus dem Hashtag eben einen Bashtag machte - also eine abwertende Umdeutung des Schlagworts.

Vocativ nennt die Reaktionen auf Twitter ein “worst-case nightmare” für die New Yorker Polizei. Denn unter dem HashBashtag sammeln sich Dokumente von brutalen Übergriffen der Polizei, die alles andere als schmeichelhaft für die Ordnungshüter sind. Auslöser bzw. Verstärker dafür ist ein Tweet des Accounts OccupyWallStreet, der die Zweckentfremdung des Hashtags popularisierte.

So dass er mittlerweile (innerhalb weniger Stunden) auch Thema auf Buzzfeed, bei der Washington Post im New York Magazine und auf vielen anderen Seiten ist.

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Netzschau am 21. März 2014

Wenn Jungs ihre Freundinnen schminken (Buzzfeed / Youtube)

Männer sind Künstler. Wer das nicht schon wusste, findet den Beweis in diesem Video. Denn die Protagonisten, die Buzzfeed da zeigt, sind echte Naturtalente im Schminken.

Mein erstes Mal (USA Today)

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Mal? Also, Ihren ersten Tweet? Falls nicht, lassen sich in diesem Tool die Twitter-Anfänge jedes Nutzers ganz einfach recherchieren. Und weil’s so schön ist, gibt es an dieser Stelle noch einmal den ersten Tweet von Warren Buffett.

Mein Partner ist aus dem Internet (Slate)

Partnersuche im Internet hat ja für viele immer noch etwas Anrüchiges. Aber wer die Bilder der Fotografin Jena Cumbo sieht, hat jeden Grund, sich sofort bei der nächsten Singlebörse anzumelden.

Tobias Dorfer (@todo80)

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Netzschau am 18. März 2014

Twitter: Behalten Sie Ihre Lieblings-Accounts immer im Auge (Techcrunch)

Geht es Ihnen bei Twitter auch immer so, dass Sie vor lauter Tweets die eigentlich wichtigen gar nicht sehen? Damit könnte es bald vorbei sein. Twitter plant angeblich, Accounts favorisierbar zu machen. Die Tweets dieser User würden dann in einer separaten Timeline auftauchen.

KAUF! MICH! (Time)

Vielleicht kennen Sie Terry Crews nicht - aber den neuen Werbeclip des Ex-Footballers sollten sie kennen. Crews wirbt für eine Rasierer-Marke und zeigt: Werbung für Rasierer kann auch richtig cool sein. Aber Achtung: Halten Sie ausreichend Ohropax bereit. (Ältere - und nicht minder laute - Clips finden Sie hier

Cloak-App, das unsozialste Netzwerk der Welt (Time)

Der Sinn von Sozialen Netzwerken ist ja eigentlich der, den zwischenmenschlichen Kontakt von Menschen zu fördern. Anders bei Cloak. Die App zeigt dem User auf einer Karte, wo sich ihm bekannte Instagram- oder Foursquare-User aufhalten. So dass er notfalls eine andere Route laufen kann.

Madonna lässt Drachen auf ihrer Schulter wohnen (Instagram)

Madonna ist bekannt dafür, Modetrends zu setzen. Anlässlich des jüdischen Purimfestes hat die Pop-Ikone nun ein Foto auf Instagram veröffentlicht, das sie als “Mutter der Drachen” aus der TV-Serie “Game of Thrones” zeigt. Ob Plastikdrachen auf den Schultern jetzt auch bei New Yorker Hipstern zum Kult werden?

Instagram-Hit: Großmutter tanzt gegen den Krebs an (Mashable)

Betty Simpson ist 83 Jahre alt und krebskrank. Ihr Urenkel hat ihr nun einen Instagram-Account eingerichtet du nun werden mehr als 160.000 Fans (darunter Pharrell Williams) mit hübschen Tanzeinlagen und lustigen Bildern versorgt (die Follower-Zahl im verlinkten Text ist inzwischen deutlich gestiegen). Grandma Betty freut sich aber auch über handgeschriebene Briefe. 

Tobias Dorfer (@todo80)

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DaveCalls - Telefonwitze über David Cameron

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Hatten die Berater nicht gesagt, genau so müsse Social Media sein: persönlich, nah und ein wenig hinter die Kulissen blickend? Hatte David Cameron nicht genau wegen solcher Aufnahmen seinen Twitter-Account begonnen? Und jetzt das: Das Phänomeme-Web spottet über den britischen Premierminister, der sich weltmännisch-tatkräftig beim Telefonat mit Barack Obama fotografiert hatte.

Der Guardian, Daily Mirror, Yahoo, Huffington Post und viele andere berichten über Camerons Selbstporträt - allerdings nicht in gutem Sinn. Und Schuld daran ist der amerikanische Comedian Rob Delany, der das Weltenlenker-Selfie sah und sich einschaltet - indem er eine Zahnpasta-Tube als Telefon ans Ohr hielt

Kurz darauf schaltete sich auch Patrick Stewart zu (der als Captain Picard weltbekannt ist) und trat damit eine webweite Bewegung unter dem Hashtag #DaveCalls los:

Menschen überall auf der Welt laden Bilder auf Twitter, die sie beim vermeintlichen Telefonat zeigen. Das ist sehr lustig und lehrt David Camerons Twitter-Strategie, dass es bei Social Media weniger um Inszenierung staatsmännischer Telefonate geht als um die Verbindung von Menschen.

Umparken!

Der neuen Werbekampagne von Opel glückt Erstaunliches: Aufmerksamkeit zu bündeln. Nur wofür eigentlich?

Die Leute bei der Agentur Scholz&Friends, die von Opel den Auftrag bekamen, das Image des Automobil-Herstellers zu verbessern, haben sich offenbar sehr genau im Phänomeme-Web umgeschaut. Seit Tagen plakatieren sie die Haltestellen und Timelines des Landes mit Schwarz-gelben Botschaften, die nichts mit Autos und ganz viel mit dem Smalltalk der Menschen zu tun haben:  Umparken im Kopf heißt die Kampagne, die als eine der ersten konsequent auf das Weitererzählen und damit auf die von allen gesuchte Viralität setzt.

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Die Motive kontrastieren Klischees mit (vermeintlichen) Fakten: “100 Jahre dachte man Spinat hätte viel Eisen”, heißt es zum Beispiel auf einem Plakat, “bis jemand eine zweite Messung machte.” Gleiches wird in Bezug auf Alltagsprobleme (Rotwein-Flecken oder Regen in Hamburg) und Klischees über Rothaarige (feurig) oder Schwule (können nicht Fußball spielen) durchgespielt. Jedes Motiv bietet dabei eine soziale Anknüpfung, verlangt also eine Haltung von dem, der es sieht.

Hier liegt ein zentraler Grund für die breite Aufmerksamkeit der Kampagne, die sich zudem auf eine sozial erwünschte Grundhaltung gründet: Flexibel bleiben! Nicht auf Klischees beharren! Dem würde niemand widersprechen, trotzdem vermutet jeder diese Unflexibilität in der Gesellschaft.
Die Kampagne bedient diese Annahme, indem sie Beispiele liefert. Indem man diese teilt und weitererzählt, kann man sich selber in einem besseren Licht - als flexbile und umpark-fähig - darstellen. Deshalb sind die so genannten social-tools hier tatsächlich sinnvoll eingesetzt: Auf der Website kann man selber aktiv werden und die Motive über soziale Netze teilen. Sogar mit einem tieferen Grund.

Dieses Grundprinzip haben die Werber angereichert mit so genannten Testimonials wie Bettina Zimmermann oder Joachim Krol, die über in Wahrheit ja völlig falsche Vorurteile über Mallorca oder Tattoos quatschen. Dabei gefallen sie sich vor allem in Haltung, viel offener zu sein als ihre Umgebung. Das ist in der Masse (es gibt erstaunlich viele Schauspieler, die hier mitquatschen) nahezu unerträgich, viel irre selbstgefällig. Es bedient aber das Gefühl der sozialen Überlegenheit, das die Kampagne antreibt. “Ich bin fähig, im Kopf umzuparken”, will jeder dieser Spots sagen, “und du nicht”. Diese Haltung wie eine Kleidermarke vor sich herzutragen, ist für die Kampagne viel wichtiger als die Strategie, die Botschaften zunächst absenderlos zu versenden.

Anfang der Woche löste der Opel-Chef dann auf, dass der Autohersteller hinter der Umpark-Hilfe steckt: “Das ist die größte Image-Kampagne unserer Geschichte – und wahrscheinlich auch der ganzen Branche”, sagte Karl-Thomas Neumann der Bild-Zeitung und man hätte ihm gewünscht, mal in Sachen Protzigkeit umzuparken.

Mit der Offenlegung des Absenders wurden auch weitere Spots ins Netz gestellt, in denen sieht man die gleichen Promis jeweils auf dem Fahrersitz eines Autos hocken, von dem sie ganz ehrlich überrascht sind. “Denn das hier, hat ja nun gar nichts mehr damit zu tun, was ich für ein Bild von Opel hatte”, sagt zum Beispiel Bettina Zimmermann.

Hier kippt die Kampagne dann in ganz klassische Muster. Mit dem einzigen Unterschied, dass man am Ende nicht genau weiß, wofür Opel denn nun steht. Am ehesten vermutlich: Nicht so doof wie man dachte.

Mehr über die Prinzipien des Phänomeme-Web in diesem und diesem Text über Buzzfeed sowie in diesem Text über YouTube.

Das Oscar-Selbstporträt: die fünf besten deutschen Kopien

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Was Ellen DeGeneres kann, können deutsche Bürogemeinschaften und Redaktionen schon lange: möglichst viele Menschen zum Gruppenselfie (Achtung, Gefahr!) versammeln. Das meistgetwitterte Selbstporträt der Oscar-Nacht hat im Laufe des Tages zahlreiche Nachahmer gefunden. Hier unsere fünf Lieblingskopien aus Deutschland:

Platz 5: Die Redaktion von SWR3:

Platz 4: Die Redaktion von hr1:

Platz 3: Die Redaktion von Welt-Kompakt

Platz 2: Das Team von EinsLive:

Platz 1: Das Team von Circus HalliGalli:

Alle Hintergründe über Ellen DeGeneres und ihr populäres Selfie bei Süddeutsche.de

Click Bait: Lesebefehl 2.0

Als Click Bait wird eine besondere Form des aufmerksamkeitstreibenden Verlinkens beschrieben: Webseiten wie Upworthy sind im Phänomeme-Web dafür berühmt, “Du wirst nicht glauben, was in diesem Film passiert”-Ankündigungen zu schreiben, die Menschen dazu treiben sollen, auf Links zu klicken.

Gerade läuft im deutschsprachigen Twitter eine Art Click-Bait-Spiel, das dem Lesebefehl-Spiel aus dem vergangenen Jahr nicht unähnlich - Twitter-Nutzer schreiben klicktreibende Tweets, die jeweils auf andere klicktreibende Tweets verlinken, die wiederum … - ach schau doch selbst:

(…)

Nach unseren Recherchen Klicks ist das hier der Ursprungstweet für die “unglaublich”-Welle, die gerade durch Twitter rollt:

10 Fakten über Justine Sacco und ihren Afrika-Tweet

Ein Tweet - unzählige Berichte: New York Times, Huffington Post, Amy&Pink, BBC, Buzzfeed, BoingBoing, Dr. Lima, JoCa, AdNews und zahlreiche andere Quellen berichten von einem rassistischen Tweet der für webweite Aufregung sorgte

1. Der Auslöser der Aufregung, die gerade durchs Phänomeme-Web weht, ist im Original nicht mehr zu finden. Am Freitag twitterte Justine Sacco vier Sätze, die Twitter dem Standort “London” zuordnete: “Ich bin auf dem Weg nach Afrika. Hoffentlich bekomme ich kein AIDS. Ich mach nur Spaß. Ich bin weiß.” Account und Tweet von Justine Sacco sind mittlerweile gelöscht.

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2. Die Frau, die so über Afrika schreibt, ist PR-Director bei InterActiveCorp, einem Medienunternehmen in New York. Zu IAC zählen neben Match.com, Vimeo, OkCupid und The Daily Beast auch eine Dating-Website für Afro-Amerikaner namens BlackPeopleMeet.com.

3. In einer ersten Stellungnahme distanzierte sich IAC laut New York Times von dem Tweet von Justine Sacco, die sich während dessen im Flugzeug befand und nicht reagieren konnte. “Das ist ein ungeheuerlicher, beleidigender Kommentar, der nicht den Werten und Ansichten der IAC entspricht”, schrieb die Firma während im Netz noch spekuliert wurde, der Account könne gehackt worden sein.

4. Im Web braute sich unterdessen ein Sturm der Entrüstung zusammen - gegen die Frau, die sich nicht wehren konnte. Auf Twitter sammelte sich der Widerstand gegen ihre rassistische Äußerung im Hashtag #HasJustineLandedYet.

5. Kurz nach dem sie tatsächlich in Südafrika gelandet war, war auch das auf Twitter zu sehen: Der Nutzer Zac_R schickte diesen Tweet ab, der Justine Sacco im Flughafen zeigt:

6. Im Netz kursierten unterdessen Flugdaten der PR-Expertin, die sich später allerdings als falsch herausstellten.

7. Andere Nutzer bemerkten allerdings, dass ihr Name bereits von der IAC-Website verschwunden sei:

8. Dafür tauchte ihr Name in anderen Kontext auf: Jemand erwarb die Domain justinesacco.com und leitet diese auf die Seite AidforAfrica weiter.

9. Für Werbung in eigener Sache nutzte ein Anbieter von Wifi-Zugang in Flugzeugen die Aufregung und postete den Hinweis, künftig zuerst einen Wifi-Zugang zu erwerben bevor man was Dummes vor einem langen Flug schreibe.

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10. Buzzfeed berichtet von einer Entschuldigung im Facebook-Account von Justine Sacco, dieser ist aber mittlerweile auch gelöscht. An andere Stelle gibt es die Information, sie sei in der Tat gekündigt worden und schon bald auf dem Weg zurück nach Amerika.

Update: Am Sonntag hat Justine Sacco einen Entschuldigungsbrief an eine südafrikanische Tageszeitung geschickt

Öffentliche Trauerarbeit

Ben Nunery bekommt gerade sehr viel öffentliche Aufmerksamkeit für sehr private und sehr ungewöhnliche Bilder, die er am Montag auf seinem Blog veröffentlicht hat: Zu sehen ist Nunery in einem leeren Haus - einmal neben einer erwachsenen Frau im Hochzeitskleid und einmal neben einem dreijährigen Mädchen. Das sind Nunerys Hochzeitsfotos und Kopien davon.

Was man nicht sieht: Zwischen den beiden Bildern liegt eine Zeit der Trauer, in der Nunery Frau Ali an Krebs starb. Damals war Olivia, die Tochter der beiden, ein Jahr alt. Heute ist sie drei Jahre alt und Vater und Tochter verlassen das Haus, das Vater und Mutter kurz nach ihrer Hochzeit bezogen hatten. Als Teil einer öffentlichen Trauerarbeit lies Nunery Kopien der Hochzeitsbilder anfertigen (fotografiert von der Schwester der Toten) und machte diese webbekannt.

Die Geschichte hinter den Bildern rührt das Phänomeme-Web - sie werden bei Bored Panda genauso gezeigt wie bei Today und verbreiten sich in großer Geschwindigkeit.

Mehr zum Thema Sterben im Social Web in der Geschichte “Tod auf Twitter”

Nelson Mandela ist tot. Rund um diese traurige Nachricht aus Südafrika verbreiten sich allerlei Falschmeldungen im Phänomeme-Web. Gestern abend behauptete der mittlerweile selber gelöschte Account Deleted Tweets, Paris Hilton habe auf die Todes-Nachricht mit einer peinlichen Martin Luther King Verwechslung reagiert.
Die Meldung verbreitete sich schnell, gefolgt von dem Hinweis es handele sich dabei um eine Falschmeldung. Das Perfide dabei: der Account gab vor, gelöschte Tweets von Prominenten zu sammeln.


Whoever made that stupid fake tweet lacks respect to the loss the world is mourning right now. Same goes for all the blogs who ran with it.
— Paris Hilton (@ParisHilton) 5. Dezember 2013

Ebenfalls falsch ist die Zuschreibung einiger Mandela-Zitate die gerade durchs Netz gereicht werden. Buzzfeed hat darauf reagiert und bietet dem Phänomeme-Web 15 Zitate zum Weiterreichen an.
Mehr zum Tod von Nelson Mandela auf Süddeutsche.de

Nelson Mandela ist tot. Rund um diese traurige Nachricht aus Südafrika verbreiten sich allerlei Falschmeldungen im Phänomeme-Web. Gestern abend behauptete der mittlerweile selber gelöschte Account Deleted Tweets, Paris Hilton habe auf die Todes-Nachricht mit einer peinlichen Martin Luther King Verwechslung reagiert.

Die Meldung verbreitete sich schnell, gefolgt von dem Hinweis es handele sich dabei um eine Falschmeldung. Das Perfide dabei: der Account gab vor, gelöschte Tweets von Prominenten zu sammeln.

Ebenfalls falsch ist die Zuschreibung einiger Mandela-Zitate die gerade durchs Netz gereicht werden. Buzzfeed hat darauf reagiert und bietet dem Phänomeme-Web 15 Zitate zum Weiterreichen an.

Mehr zum Tod von Nelson Mandela auf Süddeutsche.de