Der Vogel-Verfolger

Am Freitag hat Remi Gaillard einen Clip auf YouTube gestellt, der bis heute fast 2,8 Millionen Mal angeschaut wurde. Man sieht darin einen blauen Plüschvogel in Menschengröße, der hinter Passanten herläuft. Der Vogel folgt den Menschen und da er ein wenig aussieht wie das Logo der Firma Twitter ist klar: Hier nimmt jemand die Idee des Folgens auf Twitter wörtlich und macht daraus seinen Witz.

Das klingt nach einem etwas albernen Scherz, wer den Clip aber sieht, kann schnell verstehen, warum er schon so häufig angeschaut wurde: Der riesige blaue Vogel mit den gelben Füßen wirkt stets tolpatschig und wird spätestens dann lustig, wenn die Verfolgten ihn als Angreifer sehen und abwehren wollen.

Remi Gaillard ist kein Unbekannter in der Welt der Phänomeme. Der 38-jährige Franzose zählt zu den populärsten YouTube-Humoristen. Zuletzt sorgte er mit diesem Mario Kart-Clip für Aufmerksamkeit. Jetzt schaut ihm das Web dabei zu, wie er Menschen folgt. Anschauen kann man das übrigens hier - und wer danach Interesse daran hat, diesem Blog hier zu folgen: wir sind hier bei Twitter!

Heute in der Süddeutschen Zeitung: der Text von Nadja Schlüter über das Phänomen Twittermädchen - trending auf Twitter (Ilustration Katharina Bitzl)

Heute in der Süddeutschen Zeitung: der Text von Nadja Schlüter über das Phänomen Twittermädchen - trending auf Twitter (Ilustration Katharina Bitzl)

CISPA

Im Winter 2011/2012 machten Abkürzungen mit vier Buchstaben in den USA und in Europa von sich reden: Acta bzw. Sopa/Pipa standen für Regulierungsversuche im Internet. Auf beiden Seiten des Atlantik formte sich massiver Widerstand gegen die Gesetzesvorhaben, die - so zeigt sich mittlerweile - eher aufgeschoben als aufgehoben wurden. Denn neue Abkürzungen machen die Runde.

Alexis Ohanian, einer der Mitgründer von reddit, macht gerade auf CISPA aufmerksam. Für Ohanian stellt der Cyber Intelligence Sharing and Protection Act einen Angriff auf die Privatsphäre im Netz dar. Deshalb will er - wei beim Anti-Sopa-Protest - die großen Netzfirmen zum Protest aufrufen. Das versucht er - und das ist nicht unlustig - telefonisch. Da das nicht klappt, sollen jetzt die User helfen: Auf der Seite saveyourprivacypolicy.org können sie eine Petition unterschreiben, die den Unternehmen und der Politik Druck machen soll.

Endlich Wochenende - endlich Zeit die Liste der 50 Gifs durchzuschauen, die jemand für alle nur erdenklichen Situationen zusammengestellt hat. Liebe MRW-Stadtblogger - da fällt euch doch sicher was zu ein, oder?

Endlich Wochenende - endlich Zeit die Liste der 50 Gifs durchzuschauen, die jemand für alle nur erdenklichen Situationen zusammengestellt hat. Liebe MRW-Stadtblogger - da fällt euch doch sicher was zu ein, oder?

#worteausderkindheit

Die Schriftstellerin Else Buschheuer hatte eine Idee. Um kurz vor sieben twitterte sie heute früh als erste zum Hashtag #worteausderkindheit und trat damit eine kleine Welle verbaler Kindheitserinnerungen auf Twitter los. Menschen steuern eigene Sprüche bei, die sie hörten als die klein waren. Hier eine kleine Sammlung unserer (bisherigen) Lieblinge:

Immer mehr Menschen beteiligen sich an dieser Form der gemeinsamen Verkindlichung auf 140 Zeichen. Der Hashtag dehnt sich aus, deshalb hier noch ein paar Favoriten, die wie die meisten Beiträge zu dem Schlagwort, ihrren Wert draus ziehen, dass wenige Worte einen Erinnerungsraum öffnen, in dem man z.B. Sarah Kuttner sieht wie sie ihren Fernsehkonsum vor ihren Eltern vertuschen will:

Buchwerbung auf Twitter

Wie kriegt man in dieser hektischen Twitter-Welt Aufmerksamkeit für so etwas Unaufgeregtes wie ein Buch? Vielleicht so:

Eine Katze hat den offiziellen Account eines deutschen Verlags übernommen, verändert das Profilbild und verspricht, Katzencontent zu twittern. Das erinnert irgendwie an den Burger-King/McDonalds-Hack auf Twitter, scheint in Wahrheit aber eher mit einem Buch zu tun zu haben, das in dem Verlag erscheint und in dem ein Kater eine Rolle spielt:

Ein Gleichheitszeichen geht um die Welt, weil die Menschen, die es verwenden,  Zeichen der Gleichheit setzen wollen: zwei rosa Striche auf rotem Grund sind Ausdruck für die Gleichbehandlung heterosexueller und homosexueller Lebenspartnerschaften. 
In dieser Woche wird vor dem obersten US-amerikanischen Gericht die so genannte Homo-Ehe verhandelt. Ein Thema, das für hitzige Debatten sorgt (und auch für einige Phänomeme) und Auslöser für dieses kleine politische Zeichen ist: Menschen überall auf Facebook und Twitter verändern ihr Profilbild und laden statt eines Duckface-Selfies ein rotes Quadrat mit Gleichheitszeichen hoch.
Aus der Stand for marriage-Aktion der Human Rights Campaign bildete sich in den vergangenen Stunden ein viraler Effekt heraus, der sich auf das rote Gleichheitszeichen bezieht. Menschen verwenden es auf Twitter und Facebook als Profilbild um ihre Unterstützung für die so genannten Homo-Ehe zum Ausdruck zu bringen: Beyonce hat das Foto auf ihrer Facebook-Seite hochgeladen, der Schauspieler George Takei verwendet es und das Time-Magazin diagnostiziert einen digitalen Virus (=virale Verbreitung). Auch Mashable widmet sich dem Thema und verweist auf die Unterschriften-Aktion, die mit dem Profil-Protest verbunden ist. Dort findet sich übrigens auch eine farbliche Variation des Gleichheitszeichen: Gelbe Striche auf blauem Grund.

Ein Gleichheitszeichen geht um die Welt, weil die Menschen, die es verwenden,  Zeichen der Gleichheit setzen wollen: zwei rosa Striche auf rotem Grund sind Ausdruck für die Gleichbehandlung heterosexueller und homosexueller Lebenspartnerschaften. 

In dieser Woche wird vor dem obersten US-amerikanischen Gericht die so genannte Homo-Ehe verhandelt. Ein Thema, das für hitzige Debatten sorgt (und auch für einige Phänomeme) und Auslöser für dieses kleine politische Zeichen ist: Menschen überall auf Facebook und Twitter verändern ihr Profilbild und laden statt eines Duckface-Selfies ein rotes Quadrat mit Gleichheitszeichen hoch.

Aus der Stand for marriage-Aktion der Human Rights Campaign bildete sich in den vergangenen Stunden ein viraler Effekt heraus, der sich auf das rote Gleichheitszeichen bezieht. Menschen verwenden es auf Twitter und Facebook als Profilbild um ihre Unterstützung für die so genannten Homo-Ehe zum Ausdruck zu bringen: Beyonce hat das Foto auf ihrer Facebook-Seite hochgeladen, der Schauspieler George Takei verwendet es und das Time-Magazin diagnostiziert einen digitalen Virus (=virale Verbreitung). Auch Mashable widmet sich dem Thema und verweist auf die Unterschriften-Aktion, die mit dem Profil-Protest verbunden ist. Dort findet sich übrigens auch eine farbliche Variation des Gleichheitszeichen: Gelbe Striche auf blauem Grund.

Fun-Fake: die Parodie im Netz

Es hätte ja passen können: Kurz bevor der neue Papst durch den Vorhang zu den Menschen auf dem Petersplatz blickte, verbreitete ein Twitter-Account mit seinem Namen ein kurzes Dankeschön. Tweet und Account wurden sofort sehr beliebt - waren aber falsch.

Twitter liebt Kopien - aber nicht nur solche, die wie im Fall des mittlerweile gesperrten JMBergoglio  in irreführender Absicht imitieren. Vor allem solche, die eine moderne Version der Zeitungskarikatur oder die digitale Entsprechung des Nockerberg-Singspiels sind: Parodie des digitalen Raums.

Dieses Gif, das Abrahm Lincoln zeigt

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… ist gerade sehr beliebt im Netz. Es ist sozusagen die parodistische Variante des Petersplatz-Bildes mit den Smartphone-Fotografen aus der vergangenen Woche: Der 16. Präsident der Vereinigten Staaten als Smartphone-Nutzer, der - wichtiger Phänomeme-Bestandteil - ein Duckface zieht und sich im Spiegel fotografiert. Selfie nennt man das.

Der niederländische Designer Frank Haemen hat dazu Anfang Februar eine ähnliche Variante ins Netz gestellt: er hat historischen Persönlichkeiten von Picasso bis Marx Smartphones in die Hand montiert, so dass auch diese sich - Stichwort Selfie - selbst ablichten.

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Man muss gar nicht feuilletonistisch werden um festzustellen: auf diese Weise verarbeitet eine immer fotografischer werdende Gesellschaft die permanente Fotografierbarkeit. Die Kunst des Fun-Fake ist eine digitale Entsprechung zu Stimmenimitatoren oder politischen Karikaturisten. Das Lachen über den Selbstfotografen Lincoln speist sich aus der gleichen Quelle - wie auch die bewusst verfälschten Accounts auf Twitter.

Ein besonderes Beispiel dafür ist Renate Bergmann, die mit dem Profilbild einer Rentnerin einen Twitter-Account und eine Facebook-Fanseite bespielt:

Ende Januar stellte Sarah Kuttner den Account ihren Followern auf Twitter als “meine Oma” vor:

Anschließend grübelte das Web, ob es sich bei dem Account tatsächlich um die Großmutter der TV-Moderatorin handelt (“dann dürfte auch klar sein, woher Frau Kuttner ihren Humor hat”) oder ob die Tweets der Rentnerin nicht eher in die Kategorie digitale Parodie fallen (“fiktiver Charakter”). Für letzteres spricht eine Fundstelle des Profilbilds aus dem Münsterland. Dort heißt es, das Bild zeige eine 82-jährige Tante des auf englisch schreibenden Autoren. Was selbstverständlich nicht ausschließt, dass Sarah Kuttner Verwandschaft im Münsterland hat …

Am Wochenende schrieb Renate Bergmann ihren 1000sten Tweet. Fast 7000 Menschen hat sie mittlerweile für ihre Beobachtungen und Bonmots begeistern können. Diese spielen meist mit dem scheinbaren Widerspruch zwischen Rentner-Realität und digitalem Umfeld. Was man durchaus als satirische Überhöhung der digitalen Selbstzufriedenheit lesen kann - und was an guten Tagen sogar fast an die Grandmother-Tips heranreicht, mit denen der spanische Designer Chacho Puebla Ende 2011 ein interessantes Phänomem landete.

Bisher ist die Absicht hinter Renate Bergmanns Beiträgen noch nicht erkennbar. Auch deshalb sind sie vermutlich (noch) so beliebt. Das ist bei Fake-Accounts, die in parodistischer Form für Prominente oder Politiker sprechen, meist anders. Der Twitter-Imitator des Bundesaußenministers - namens Westerwave - verulkt Guido Westerwelle bereits seit 2009 in merkwürdigem Englisch - und ist somit zu einer Art Vorreiter einer ganzen Bandbreite an Fake-Accounts geworden, die das Fake mittlerweile sogar häufig im Namen tragen.

Gesteigert werden diese Parodien seit kurzem von Fake-Verbindungen, die unterschiedliche Existenzen in einem Account bündeln. Die Spannbreite reicht dabei von Mashups aus Justin Bieber und Martin Buber (@justin_buber) oder  Kim Kardashian und Søren Kierkegaard (@kimkierkegaard) bis zu einer ungewöhnlichen Präsenz, die die deutsche Bundeskanzlerin seit kurzem auf Twitter hat.

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Der Nutzer von GrumpyMerkel hat die CDU-Vorsitzende mit der im Netz äußerst beliebten grummelnden Katze Grumpy Cat zusammengebracht - so erfolgreich, dass heute sogar die taz GrumpyMerkel Aufmerksamkeit schenkte.

Zu Recht wie wir finden.

Wie funktionieren eigentlich soziale Netzwerke? Der Designer Devin erklärt Facebook bis Pinterest mit Hilfe von Katzen! Toll!!

via

Der Sexismus-Drucker

Gerade noch haben wir über Internet-Ausdrucker gesprochen, da kommt dieser Film des Freiburger Studenten Kristian Gäckle rein, der als @derAufschrieb, Tweets mit dem Hashtag #aufschrei ausgedruckt hat.

Im Gespräch mit den Kollegen von fudder erzählt der 26-Jährige von 42.000 Tweets auf 690 Metern Thermopapier. Auf die Frage, wie es weitergeht mit seinem Projekt antwortet er:

Ich hoffe, dass sich die Debatte auch durch meine Aktion weiter bewegt und den respektvollen Umgang der Menschen miteinander fördert. Bis Mittwoch war die Installation im Keller des U-Asta untergebracht. Sie kann aber schnell wieder realisiert und neu umgesetzt werden. Demnächst möchte ich im öffentlichen Raum drucken und somit die Möglichkeit geben, den Druckprozess live mitzuverfolgen.