Wenn ein deutscher Vizekanzler den Chefredakteur einer Boulevardzeitung umarmt, führt das zu großen Debatte und einem kleinen Tumblr, der Phillip Rösslers Umarmungspartner ganz einfach durch das vielgesichtige Böse ersetzt: Die Debatte um die herzliche Begrüßung von Bild-Boss Diekmann und FDP-Boss Rösler ist diese Woche ausführlich geführt worden und das kleine Tumblr PhilippRöslerWorhsippingEvil ist ausgiebig verlinkt worden.
Neu in diesem kleinen Web-Wettstreit ist dieser Beitrag von Bild-Chef Diekmann, der damit eine Antwort auf die Frage gibt, was er in Amerika eigentlich gemacht hat. Offenbar hat er gelernt, wie Humor in der Welt der Phänomeme funktioniert. Er hat jedenfalls das Tumblr hugkai gestartet, auf dem er Bilder sammelt, die “German Entrepreneurs” zeigen, die ihn umarmen. Wir benennen es für heute als Lieblings-Tumblr und sehen die Umarmungs-Debatte damit fürs erste für beendet an.
Wenn die Buchkultur auf die Digitalkultur trifft, kann das zu Ärger führen - und zu ganz tollen Screenshots. Letztere sammelt benflavor in unserem heutigen Lieblingstumblr, wo wir das obige Bild aus dem Computerspiel Bioshock Infinite rebloggen.
Das ist nämlich Thema des Tumblr: Bücher in Computerspielen, genauer gesagt: Bibliotheken in Computerspielen.
Dass Dinge, Menschen und Tiere Ähnlichkeiten aufweisen, versetzt das Netz - wie wiederholt gezeigt - in Begeisterung: Looks Like oder bei Geburt getrennt Phänomeme sind jedenfalls sehr gern genommen. Unser heutiger Lieblings-Tumblr treibt deren Prinzip auf die Spitze, in dem er die Dimension: Internet-Tier ergänzt. eaglesthatlooklikearsenewenger verbindet den Trainer von Arsenal London mit Adlern. Es gibt wütende, fliegende und eben traurige Adler (den obigen rebloggen wir), die allesamt aussehen wie der Fußball-Lehrer aus London. Toll!
Flucht ist das Grundmotiv von Seiten wie Cabin Porn, einem schon älteren Lieblingstumblr, der es sogar mal aufs Cover des jetzt-Magazins geschafft hat. Flucht aus dem urbanen, natur- und sonnenarmen Alltag der Netzsurfer, die sich durch die Seiten und in ihre Träume klicken, wenn sie schöne Almhütten (=Cabins) anschauen.
Flucht ist ebenso das Motiv unseres heutigen Lieblingstumblrs, der sich dem Brooklyn Europas widmet: Schweden. In Schweden - das macht iwishiwasswedish (wo wir das obige Bild rebloggen) auf jeder Seite klar - reichen sich Schönheit, Natur und hippe Menschen täglich die Hand. Völlig egal, ob das stimmt: Es sieht gut aus. (via)
Mehr Lieblingstumblr auf gefaelltmir.sueddeutsche.de
(via iwishiwasswedish)
Der Majordeal: Yahoos Tumblr-Kauf und die Prinzipien der Popkultur
Um zu verstehen, was da gerade zwischen den beiden US-Unternehmen Tumblr und Yahoo passiert, müssen wir uns für eine kleinen Moment vorstellen, David Karp hätte 2007 keine Software geschrieben, sondern Songs. Der Chef von Tumblr wäre dann Frontman einer Band geworden, nicht CEO eines der begehrtesten Netzwerke im Web. Mit dem, was sich Karps Kapelle in ihrem Proberaum - der in Wahrheit eine Programmiergarage war - ausgedacht hat, erreicht sie die von der Werbeindustrie so begehrten jungen netzaffinen Menschen. Tumblr gilt als das nächste große Ding auf den Bühnen der Welt - gerade weil in der Welt der Eltern niemand so richtig versteht, was den Reiz von Karps Werk eigentlich ausmacht. Es gilt als verrucht, etwas rebellisch und fordert das (Urheberrechts-)Empfinden der Eltern heraus, die wiederum beklagen, dass es das doch alles irgenwie schon mal gab.
Aber Karp&Co sind cool.
So cool, dass ihr Reiz auch dem etwas angestaubten Plattenlabel Yahoo nicht verborgen blieb. Früher, das ist lange her, war Yahoo auch mal cool. Heute ist es der Ort für Paare, die kein Problem damit haben, sich eine E-Mail-Adresse zu teilen. Hier wird Netzkultur genutzt, aber nicht geprägt. Hier weiß man, dass man nicht verstehen wird, was genau cool ist an Tumblr. Also kommt man auf die Idee, das, was man nicht versteht, doch einfach zu kaufen. Man bietet Karps Combo einen Majordeal an: 1,1 Milliarden Dollar für sein Werk, für den Zugang zu den Fans aber vor allem um Anschluss zu halten an das, was da als das nächste große Ding gehandelt wird.

Der Majordeal hat in der Geschichte der Popkultur einen festen Platz. Er wurde jedoch bisher einzig als Angebot eines großen Musikkonzerns an eine aufstrebende (Indie-)Band verstanden. Mit Aufkommen der Netzkultur, die auch Programmierer zu Popstars macht, wird der Majordeals digitalisiert. Yahoo kauft Flickr, Yahoo kauft delicious, Facebook schlägt Angebote aus, kauft dann wenig später selber Instagram und jetzt also das Majordeal zwischen Yahoo und Tumblr.
Der Inhalt hat sich verändert, das Prinzip bleibt gleich: eine coole Band unterzeichnet einen Vertrag mit einem uncoolen etablierten Konzern. Plötzlich sind da Geld und Moral, wo es vorher (scheinbar) nur um Coolness und Distinktion ging. Wobei der kausale Zusammenhang so geht: Je höher die Summe an Geld umso höher die Empörung - und das Erstaunen, dass etwas soviel wert sein soll.
Die Fans reagieren empört, starten eine Petition und verweisen auf das Schicksal anderer Bands, die unter dem Dach Yahoo keine anständigen Songs mehr produzierten: Der Bilderdienst Flickr und der Bookmark-Anbieter delicious verloren nach ihrem Majordeal mit Yahoo Credibilität und vor allem Funktionalität und anschließend Bedeutung - zumindest bei den Coolen. Dass Menschen, die gemeinsame Mailadressen benutzen, jetzt Fotos bei Flickr hochladen, ist selten Teil dieser popkulturellen Erzählung. Diese erschöpft sich meist im ältesten aller Erzählmuster der Coolness, das da lautet: Früher war alles besser!
Diese Prognose lässt sich auch jetzt schon auf die Entwicklung von Tumblr treffen. Denn diese Entwicklung ist eigentlich unwichtig. Wichtig ist, dass es Nutzer gibt, die Karps Werke schon gehört genutzt haben, als diese nichts mit Yahoo zu tun hatten. Und allein deshalb waren sie besser. Das Prinzip kennt man in allen Bereichen der Popkultur - und jetzt halt auch im Netz. Neu ist, dass niemand bei einer Combo wie der irischen Band U2 in Frage stellt, warum diese 700 Millionen Euro mit ihrer letzten Welttournee umsetzt. Bei David Karps Band ist das jedoch stets die erste Frage, die gestellt wird: Ist Tumblr das denn wert?
Diese Frage wirkt umso schwerer als dass die Fragesteller nicht wirklich verstehen, was bei Tumblr eigentlich passiert. Anders als bei Facebook kann man bei Tumblr nämlich durchaus von außen reinschauen. Was man unregistriert sieht, wirkt wie das ganz gewöhnliche Internet (übrigens die Standard-Ausrede der Tumblr-Verantwortlichen auf die Frage, warum es soviel Porno auf der Seite gebe). Einzig eine Einblendung meist oben rechts in der Ecke zeigt dem Netznutzer an, dass er sich jetzt in der Tumblr-Welt bewegt.

Wer diese Tumblr-Welt betritt, wird zunächst erstaunt sein. Denn das Dashboard von Tumblr (vergleichbar der Timeline von Twitter oder Facebook) gleicht eher der Rückseite eines Content-Management-System als der Zukunft des Internet. Aber in dieser Dashboard-Übersicht bewegen sich die meisten der Tumblr-Nutzer. Sie durchsurfen oder rebloggen die Inhalte anderer Nutzer. Besonders beliebt sind dabei animierte Gifs. Ein antiquiertes Dateiformat, das im Kampf um die Netzwerke der Zukunft zu Hochform aufläuft. Genau mit einem solchen animierten Gif wurde die offizielle Meldung des Kaufs auf dem Tumblr yahoo.tumblr.com bekannt gegeben (wo wir es rebloggen).
Es soll signalisieren: Marissa Mayers Yahoo hat die Welt von Tumblr verstanden (allerdings vergessen, ein Profilbild hochzuladen). Die von Google gewechselte Top-Managerin verspricht, nichts an der Welt von Tumblr zu ändern. Das ist schön, aber wie gesagt, egal. Denn: Früher war aus Prinzip alles besser.
Die Phänomeme-Bebilderung zur Meldung, Yahoo wolle für 1,1 Milliarden Dollar Tumblr erwerben - die wir bei vivalacreatica rebloggen. Ein Mashup aus dem Wort Tumblr und dem Logo von Yahoo.
When I do “mobile journalism”
Wie sieht es aus, wenn ein junger Journalist “mobilen Journalismus” ausprobiert? So:
Das sagen nicht wir, sondern unser heutiger Lieblingstumblr journoproblems, wo wir dieses Mr.Bean-Gif rebloggen. Eine Seite, die mit MRW-Gifs die Welt aus Sicht junger Journalisten beschreibt. Das ist lustig - ein bisschen auch für Menschen, die keine Journalisten sind.
Der Bundestagswahlkampf hat Tumblr erreicht. Seit gestern wird der Tumblr gutgemachtfpd.tumblr.com betrieben - eine Parodie auf die Regierungserfolge-Kampagne der FDP (wo wir das obige Motiv rebloggen). Nach dem Looking-at-girl-Auftritt von Rainer Brüderle bereits die zweite Tumblr-Parodie für die liberale Partei.
Wir wären bereit, diesen Tumblr als heutigen Lieblingstumblr zu listen, wenn die Social-Media-Verantwortlichen der FDP jetzt auch mal aktiv würden - und die der anderen Parteien natürlich auch. Folgende Accounts sind nämlich noch frei:
http://gutgemachtspd.tumblr.com/
http://gutgemachtcsu.tumblr.com/
http://gutgemachtcdu.tumblr.com/
http://gutgemachtgruene.tumblr.com/
http://gutgemachtlinke.tumblr.com/
http://gutgemachtpiraten.tumblr.com/
http://gutgemachtafd.tumblr.com/
In großen Städten ist es oft eine Qual, ein Zimmer zu finden. Dieser Qual widmet sich unser heutiger Lieblingstumblr. Er heißt theworstroom und beruhigt vielleicht für all diejenigen ein wenig, die gerade in Deutschland auf Wohnungssuche sind. Denn: Es geht noch schlimmer! Die schlimmen Räumlichkeiten stammen allesamt aus New York City - das obige Zimmer zum Beispiel kostet übrigens (inklusive der Regale) 750 Dollar.
Der Schrei der Phänomeme
Es ist ziemlich genau fünf Jahre her, da macht der Brite Tom Bevan eine Entdeckung, die er anschließend mit seiner Coolpix-Kamera festhielt. Er gab dem Bild (siehe oben) den Namen Scream und stelle es auf Flickr. Das Motiv zeigt einen Stromkasten, der erstaunlich an das Gemälde Der Schrei von Edvard Munch erinnert. Deshalb wird Bevans Bild immer wieder durchs Web gereicht - aktuell mal wieder in Kombination mit dem Originalbild. Man kennt dieses Phänomem als “bei Geburt getrennt” in Deutschland. In der englischsprachigen Webwelt heißt dies - wie der zugehörige Tumblr - totallylookslike.
Bevans Bild beweist: die Welt der Phänomeme ist keineswegs nur von Katzen und Zappeln bestimmt. Auch große Kunst findet hier Verwendung. Der Schrei ist nicht nur eines der teuersten und bekanntesten Gemälde weltweit, es ist auch ein äußerst beliebste Mem-Vorlage.



