Meme auf der re:publica: Der Vortrag zu Silly Jokes steht jetzt online.
Reden über Meme: Mem-Kunde auf der republica
Meme spielen auf der morgen beginnenden re:publica eine große Rolle. Am Montag referieren Stefan Panhuijsen und Jillian York über den poltischen Wert der Silly Jokes, am Mittwoch reden Christian Heller und Nils Dagsson Moskopp über Geschichte, Forschungsstand und Kontroversen der Internet-Meme. Wir haben Christian Heller vorab ein paar Fragen zum Thema gemailt.

Schon auf der re:publica 2009 hast du über Meme gesprochen. Vier Jahre später gibt es erneut eine Session zu dem Thema. Was hat sich seit dem geändert?
Es gibt mehr Arbeiten zum Thema und mehr öffentliches Interesse. Meme sind selbst in Deutschland auf dem Weg zum passablen Feuilleton-Gegenstand. Die wissenschaftliche Forschung widmet sich ihnen verstärkt. Mein eigener re:publica-Vortrag 2009 war spekulatives Rumstochern in einem Bereich, der mir damals noch recht avantgardistisch vorkam. Heute scheint mir vieles von dem, was ich damals neu und erstaunlich fand, bereits reif für die Museumsvitrine. Meme werden inzwischen massiv katalogisiert, erklärt und kanonisiert, und zwar auf Webseiten wie KnowYourMeme für ein breites Publikum ohne subkulturelles Vorwissen. Sie sind kein neuartiges Kuriosum mehr, sondern unverzichtbarer Teil der Popkultur, der alltäglichen Kommunikation, sie werden umfassend vermarktet und politisch instrumentalisiert. Über die Ästhetik und Geschichte der Meme und ihrer Massenwirkung lassen sich bald ähnlich umfangreiche Bücher schreiben wie über die des Kinos oder die der Malerei.
Mit Nils Dagsson Moskopp habe ich einen kleinen vorsichtigen Versuch in diese Richtung unternommen: eine Art Primer in Buchform zur Funktionsweise und Geschichte der Meme, der aller Voraussicht nach im Juni unterm Titel “Internet-Meme” in der “kurz & geek”-Reihe des O’Reilly-Verlags erscheinen wird. Ein paar der Schwerpunkte unseres Buchs wollen wir auf der re:publica in Vortragsform gießen – einen Überblick zur Geschichte der Mem-Formen und Mem-Ökosysteme, zum aktuellen Forschungsstand und weiterführender Literatur für Interessierte und zu ein zwei uns interessant erscheinenden Kontroversen rund um die kulturelle und politische Bedeutung und Funktionsweise von Memen. Mein 2009er Vortrag war eher theoretisch und spekulativ; der diesjährige Vortrag ist eher als Beschreibung und Systematisierung von vorhandenem Wissen gedacht, das
für sich aber oft breit im Netz verstreut auseinander liegt.

Vor vier Jahren ging es vor allem darum, den Begriff bekannt zu machen. Heute verspricht euer Vortrag im Untertitel: “Geschichte, Forschungsstand, Kontroversen” der Internet-Meme. Welche Kontroversen wollt ihr ansprechen?
Der Kontroversen-Punkt wird wahrscheinlich etwas kurz kommen, weil wir den Vortrag ursprünglich auf eine Stunde ausgelegt einreichten, wir als Slot aber jetzt nur noch 30 Minuten bekamen. Trotzdem möchte ich zumindest die Frage der Erzwingbarkeit von Memen streifen: Entstehen sie nur organisch aus der Spontaneität der Massen, oder gibt es Tricks, mit denen sich das Entstehen von Meme erzwingen lässt? Kommerz-Marketing und politische Propaganda gieren natürlich nach Verfahren, ihre Botschaften viral zu machen. Gleichzeitig pflegen viele Mem-Ökosysteme wie etwa Imageboards aber Abwehr-Mechanismen gegen sogenannte “forced memes” – also Inhalte, denen unterstellt wird, sie verbreiteten sich eher durch den gesteigerten Krafteinsatz einzelner Protagonisten (Autoren, Vermarkter) statt durch die organische Auswahl der Masse. Da gibt es ganz interessante Versuche, Grenzen zwischen “legitimen” und “illegitimen” Memen zu ziehen. Mein Ko-Referent hat sich auch ein paar Minuten für eine ihn interessierende “Kontroverse” reserviert, aber ich habe noch nicht ganz raus, worüber er da genau sprechen möchte – wir stecken grad noch in der Vortragsvorbereitung und haben noch nicht alles finalisiert.
Und was ist mit dem Forschungsstand? Sind Meme tatsächlich schon Gegenstand wissenschaftlicher Forschung?
Seit einigen Jahrzehnten gibt es Versuche, den Begriff des “Mems” wissenschaftlich zu verarbeiten – allerdings in einer ursprünglich etwas anderen Bedeutung als der, mit der er heute in der Internet-Popkultur gebraucht wird. “Memetik” war im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts ein Ansatz, Kultur ganz allgemein mit Ideen der Evolutionstheorie zu erfassen und zu erklären. Dieser Ansatz ist allerdings ein bisschen verebbt, und es gibt viele Kritiker, die ihm jedes Potential auf Wissenschaftlichkeit abgesprochen haben. In den letzten paar Jahren, spürbar seit 2010, häufen sich dagegen wissenschaftliche Arbeiten, die sich an der Analyse von “Memen” im Sinne viraler Internet-Inhalte oder von Internet-Folklore versuchen. Oft sind es Master/Magister-Arbeiten oder Dissertationen junger Akademiker, die offenbar in das Thema selber reingewachsen sind. Von einer umfassenden akademischen Aufarbeitung der Mem-Landschaft des Internets kann noch keine Rede sind, aber punktuell werden an einzelnen Memen oder einzelnen Mem-Ökosystemen (beliebt: Imageboards, Twitter, YouTube) bereits verschiedene Ansätze der statistischen, soziologischen und folkloristischen Forschung erprobt.
Davon abgesehen liegt der größte Wissensvorrat über Meme aber immer noch im außer-akademischen Bereich – auf Webseiten wie der Encyclopedia Dramatica, KnowYourMeme und Wikis zu einzelnen Mem-Ökosystemen wie
Newgrounds oder YTMND. Mem-Kunde geht hier oft einher mit auf den ersten Blick profaner Archiv-Arbeit: Ganz viele für die Mem-Forschung nützliche Ressourcen sind von sich aus oft flüchtig und müssen erst einmal gesichert werden, durch Screenshots, durch Mirrors, durch das Web Archive (ohne das wir große Teile unseres Buches gar nicht hätten schreiben können), durch den Kampf dafür, dass Dienste wie Twitter ihre Datenbanken noch mehr der Forschung öffnen.
Warum muss man sich überhaupt wissenschaftlich mit Memen befassen? Das sind doch nur Katzenbilder oder belanglose Webvideos…
Anhand von Memen können wir erkunden, wie Verbreitung und Entwicklung von Texten, Ideen und Verhaltensweisen im Netz funktioniert, wie die Psychologie der Netznutzer-Massen beschaffen ist, wie sich das Vokabular des digitalen Zeitalters entwickelt, wie sich Gruppen über ihre Meme untereinander und gegeneinander definieren. Das einzelne Katzenbild ist für sich banal, aber die technischen und sozialen Zusammenhänge seiner Verbreitung sind sehr ergiebig. Wer Kultur unter Bedingungen des Internets verstehen will, kommt an einer Beschäftigung mit seinen Memen nicht vorbei.
Jonah Peretti nennt seine Seite Buzzfeed ein “Bored at Work Network”, mit der er vor allem gelangweilte Büromenschen erreichen will. Ist das tatsächlich der Hauptantrieb für Meme?
Ich will über die psychologischen Details hinter dem Erfolg einzelner Meme nicht groß spekulieren, aber ich halte es aus historischen Gründen für glaubhaft, dass der Büromensch einer der wesentlichen Protagonisten der Mem-Kultur sei. Viele Meme und Mem-Formen haben Vorgänger unter den Texten und Bildern, die in den Büros des 20. Jahrhunderts inoffiziell zur Erheiterung, zum Frustrationsabbau, zur informellen Konversation über alltägliche Probleme geschaffen und rumgereicht wurden. Was seit den 90er Jahren an lustigen Bildern per E-Mail zirkulierte, zirkulierte vorher über Fax oder Bürokopierer und noch früher über manuelles Abzeichnen oder Abtippen per Schreibmaschine und befüllte des Arbeitsplatzes Anschlagbretter, Schreibtische und Großraumbürozellwände. Ähnlich mündlich weitergereichten Witzen oder Liedern florierte hier schon lange vor dem Internet eine schriftlich-grafisch-maschinelle Folklore, befördert durch leicht zugängliche Verfahren technischer Reproduktion und Manipulation. Wäre der Büromensch heute eine der treibenden Kräfte hinter Internet-Memen, wäre das zumindest kein neues Phänomen, sondern eine bloße Fortsetzung seines bisherigen Treibens. In der Masse der Bevölkerung war er schon immer besonders stark und routiniert eingebunden in moderne Kreisläufe der Erzeugung, Bearbeitung und Verteilung schriftlicher und grafischer Inhalte.
Zum Abschluss: Welches ist dein aktuelles liebstes Mem?
Zalgo. Ich will nichts dazu verraten, aus Rücksicht auf die geistige Gesundheit der Leser.
Für die Süddeutsche Zeitung begleiten die Kollegen Bastian Brinkmann und Pascal Paukner die Konferenz unter sz.de/republica. Mehr von Christian Heller zum Thema Meme gibt es im (noch immer hörenswerten) CRE-Podcast aus dem Jahr 2009.
Großes Dankeschön!
Das hier ist laut Tumblr-Dashboard der 250ste Eintrag in diesem Blog. Ein guter Anlass kurz innenzuhalten und Danke zu sagen. Am Wochenende haben wir die Grenze von 30.000 Followern auf Tumblr überschritten und wir sind noch immer hocherfreut über Euer tolles Feedback.

Vielen Dank dafür - und auf die nächsten 30.000 Einträge!
Alison Brie kopiert Phänomeme

Wir mögen Phänomeme und wir mögen deren Adaptionen. Deshalb - keine Frage - mögen wir diesen Meme-Kopierclip, in dem die amerikanische Schauspielerin Alison Brie bekannte Netz-Phänomeme nachmacht - mit ihrer Memimik (via)
Caldwell Tanner ist ein Mann mit Humor. Er hat diese tollen Emoticon-Illustrationen angefertigt und er ist der Schöpfer dieses wunderbaren Posters, das Collegehumor unter dem programmatischen Titel “The Internet” zeigt.

Tanner versucht damit auf illustrative Weise was Weezer mit ihrem Video zu Pork and Beans auch schon versuchten: ein Abbild der wichtigsten Phänomeme in einem Kunstwerk. Anders als in dem Clip gibt es in Tanners-Illustration aber Erklärknöpfe, die man anschalten und sich so durch durch fast 120 Phänomeme vom NumaNuma-Guy bis zum Angry German Keyboard-Crasher führen lassen kann.
Zappeln als Distinktion - unser Text aus der SZ
Am Samstag 9. März, erschien der folgende Text in der Süddeutschen Zeitung, der erklärt (Unterzeile) Wie der Harlem Shake zum Ausdruck einer neuen kulturellen Ordnung wurde. Wir dokumentieren ihn hier, weil er beschreibt, worum es in diesem Blog geht
Man muss genau hinschauen, denn zu sehen gibt es zunächst nur einen dreißigsekündigen Zappeltanz. Seit Anfang Februar ist er zur Kopiervorlage für unzählige Nachtänzer überall auf der Welt geworden. Man spricht bei dem Gezappel von einem Internet-Mem. Damit werden Phänomene beschrieben, die auf der Kraft des Teilens und Verbreitens basieren, die im digitalen Raum viel wirkmächtiger ist, als in der analogen Welt. Denn im Netz können nicht nur Dateien verlustfrei dupliziert werden, es werden auch Moden, Tänze und Bewegungen adaptiert und weitergereicht. Genau das passiert gerade mit dem sogenannten Harlem Shake. Wer die jeweils dreißig Sekunden dauernden Clips dazu genau anschaut, sieht mehr als einen Zappeltanz: Man kann dabei beobachten, wie das Internet gerade im Moment unsere Kultur verändert.
Bis Ende Januar 2013 war der Harlem Shake ein Tanzstil, der ursprünglich als Hip-Hop-Move in den achtziger Jahren im New Yorker Stadtteil Harlem erfunden wurde. Der Musikproduzent Harry Rodrigues, der selber jünger ist als dieser Tanz und aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn stammt, benannte im Mai 2012 einen Song nach den ruckartigen Bewegungen. Der 22-Jährige veröffentlichte seinen ‘Harlem Shake’ unter dem Künstlernamen Baauer. Anfang des Jahres 2013 hatte dann der 19-jährige Komiker und Video-Blogger Filthy Frank, der ebenfalls in New York zu Hause ist, die Idee, diesen Sound neu in Szene zu setzen. Dazu stellte er einen Video-Clip ins Netz, in dem vier Personen sich in einem Muster zur Musik von Baauer bewegen, das man fortan in Abertausenden Kopier-Clips in unterschiedlichen Kontexten immer gleich zu sehen bekommt: Zunächst wird eine gewöhnliche Situation gezeigt, in der eine Gruppe zu sehen ist. Sobald die Musik beginnt, fängt eine Person aus dieser Gruppe an, sich alleine zu dem Sound zu bewegen. ‘Nach exakt 15 Sekunden setzt mit der Textzeile “Do the Harlem Shake” der Bass ein’, beschreibt die Internet-Enzyklopädie Wikipedia das Prinzip des Phänomens so treffend, dass man es sich im Zitat erklären lassen sollte: ‘Gleichzeitig steigen von einem Moment auf den anderen alle anderen Personen (auch neue) mit unkontrollierten Bewegungen wie Zappeln und Hüpfen in den Harlem Shake ein. Ihr Äußeres ist nun ebenfalls schrill und kontrastierend zur Umgebung. Häufig sind Ganzkörperkostüme, Halbnacktheit und Arbeitskleidung. Der Übergang ist wegen des Videoschnitts hart, seltener auch fließend. Nach weiteren 15 Sekunden ist das Video zu Ende.’
Doch was dann beginnt, ist die Funktionsweise einer neuen kulturellen Ordnung, die auf Menschen, die mit dem Prinzip der Netz-Meme nicht so vertraut sind, ähnlich verstörend wirken muss, wie der Beginn der Popmusik in der Nachkriegszeit. Der Harlem Shake ist nämlich weit mehr als ein Zappeltanz. Menschen überall auf der Welt stellen die beschriebene Szene in ihrem Umfeld nach und laden den Clip ins Netz. In Redaktionen, Büros und Sporthallen wird im immer gleichen Muster gezappelt. Das ist mehr als eine alberne Spielerei, es ist die globale Teilhabe an einem Phänomen, das Sprach- und Landesgrenzen überschritten hat und wie ein geheimer Witz über den Code des gemeinsamen Verstehens funktioniert.
Wer heute am Harlem Shake teilnimmt, agiert wie ein Nerd, der früher eine seltene Vinyl-Pressung eines Popsongs aus Japan importierte: Er schreibt sich in eine Gruppe ein, die sich von den Nicht-Wissenden abgrenzt. Das Besondere daran: es geschieht alles öffentlich, was die Abgrenzungsmuster aber nicht zu beeinträchtigen scheint. Zappeln als Distinktion steht nicht nur als globale Gruppendynamik für eine neue kulturelle Ordnung. Der Harlem Shake verschiebt auch die gelernten Muster von Popularität und Wertschöpfung.
Denn dass so viele Menschen an der Bewegung teilnehmen, gründet sich zunächst darauf, dass sie sich ihrer Masse versichern wollen. Jeder Clip ist wie ein gerecktes Feuerzeug auf einem Popkonzert. Die Fußballer von Hertha BSC, zahlreiche Radio-Redaktionen oder unlängst sogar die Figuren aus der Serie ‘The Simpsons’ - sie alle strecken ihr Licht in die Wellen des Web. Erst in der Addition entsteht ein Lichtermeer, erst von außen sehen alle, wie viele sie sind. So macht jeder ein bisschen mit und alle profitieren.
Einer hingegen profitiert besonders. Und das liegt vor allem daran, dass Musikproduzent Harry Rodrigues der Versuchung widerstand, sich gegen die Welle zu stellen. Baauer hat nicht gegen die vielfache urheberrechtlich unerlaubte Verwendung seines Harlem Shake geklagt und darf deshalb jetzt auf der Welle surfen, die ihn trägt. Baauer profitiert so sehr von der rechtlich fragwürdigen Nutzung seines geistigen Eigentums, dass er sich schon fragen lassen muss, ob das überhaupt fair sei. Der amerikanische Blogger Mike Masnick rechnete auf seiner Plattform Techdirt vor, dass der erste Youtube-Nutzer Frank Filthy und im Prinzip jeder, der dem Harlem Shake zu Ruhm verholfen hat, Anteil an diesem Erfolg habe. Und natürlich auch diejenigen, die Baauer selber in dem Song gesampelt hat - die Band Plastic Little zum Beispiel, aus deren Song ‘Miller Time’ die titelgebende Aufforderung ‘Do the Harlem Shake’ stammt. Oder die Erfinder und Nutzer des charakteristischen ‘con los terroristas’, das Baauer bei DJ Gregory and Gregor Salto entliehen hat, die es für ihr ‘Con Alegria’ aus dem Jahr 2010 wiederum bei dem kolumbianischen Reggaeton-Musiker Hector Delgado alias El Father kopiert hatten: der hatte schon 2006 in ‘Los Terroristas’ gerufen, was heute alle singen.
Baauers zu teilender Erfolg ist in der Tat erstaunlich: ‘Sein Harlem Shake ist der erste Song in der Geschichte der Billboard Hot 100, der von einem weitestgehend unbekannten Künstler stammt und auf Platz eins eingestiegen ist’, rechnet der Netzautor Andy Baio vor. Der Grund dafür liegt in einer Umstellung der Chartauswertung. Nach dem überwältigenden Erfolg des letzten großen Internet-Mems ‘Gangnam Style’ aus dem Jahr 2012 entschieden sich die Billboard-Macher dafür, ab diesem Jahr auch die Aufrufe von Youtube-Songs in die Bewertung einfließen zu lassen. Davon profitiert Baauer ebenso wie vom Verkauf seines Songs - um aber wirklich zu verstehen, wie die Geschäfte in diesen Aufmerksamkeitsgipfeln gemacht werden, lohnt sich ein Blick auf Baauers Vorgänger Gangnam Style.
Das Lied des südkoreanischen Rappers Psy schaffte es mit dem passenden Tanz- und Videoclip ins Guinness-Buch der Rekorde und wurde sogar bei ‘Wetten dass…?’ nachgetanzt. Der nach dem Seouler Stadtteil Gangnam benannte Song wurde so das bekannteste musikalische Mem des Jahres. Der Original-Clip ist heute das populärste Youtube-Video aller Zeiten - bis heute wurde er mehr als 1,3Milliarden Mal angeschaut. In Deutschland ist er allerdings wegen urheberrechtlicher Vergütungsfragen gesperrt. Mehr als acht Millionen Dollar wurden 2012 allein durch die Werbung rund um das Video verdient - nicht vom südkoreanischen Rapper oder einer Plattenfirma, sondern von Youtube. Diese Zahl nannte ein Google-Manager Anfang des Jahres.
Youtube, das zu Google gehört, profitiert von den Erfolgen der Internet-Meme nämlich noch mehr als die vermeintlichen Original-Schöpfer. Das Portal stellt die Plattform zur Verfügung und verdient an der Aufmerksamkeit, die sich dort schlagartig durch die sogenannte virale Verbreitung bündeln lässt. Google fragt nicht danach, wie man die Aufmerksamkeitswellen steuern oder nach klassischen Geschäftsmustern vergüten kann. Google surft einfach mit auf den Wellen, die an Land gespült werden.
Beim Aufkommen der Popmusik gab es im Klischee überzeichnete Plattenbosse, die an den Erfolgen und der Hysterie um ihre plötzlich populären Stars verdient haben. Es ist nicht so, dass heute nichts verdient würde, die Muster und die Nutznießer sind allerdings mittlerweile andere. Der Harlem Shake zeigt auch das.
Danke!

Wir haben heute die Grenze der 20.000 Follower auf Tumblr überschritten. Darüber freuen wir uns sehr und sagen allen, die unsere Freude an Phänomemen teilen: Herzlichen Dank!
Standesgemäß feiern wir jetzt hier ein wenig: Wie unser Freudestanz aussieht (standesgemäß im Gif-Style), überlassen wir der Phantasie unsere Leserinnen und Leser. Hier zwei mögliche Varianten!
So …

… oder vielleicht doch eher so

?
Digitale Punchline: warum wir Phänomeme lieben

In Austin Texas findet gerade das SXSW abgekürzte South by Southwest-Festival statt. Der Kollege Mati Kolb berichtet für die SZ von dort. Mashable hat für das Festival, auf das spätestens seit dort im Jahr 2007 Twitter vorgestellt wurde alle digital interessierten Menschen schauen, einen kleinen Film gedreht. Er trägt den Titel State of the Internet und feiert Meme wie wir das tun.
In dem kurzen Clip werden Phänomeme als König und Königin des Internet-Abschlussballs bezeichnet und die Mashable-Macher kontrastieren den Spruch von dem Bild, das mehr sagt als tausend Worte mit ihrer Beschreibung eines Internet-Mem, das sich viral verbreiten kann. Für sie ist ein Mem
a digital Punchline that is worth a billions of views

Stanislawski kopiert Klopp im Kopieren
Fußballer-Interviews taugen nur selten zur Popularität der Phänomeme. Und wenn geschieht dies meist - ja gut ich sach mal - unfreiwillig oder wird von den Medien hochsterilisiert. Im Fall von Jürgen Klopp und Holger Stanislawski liegt die Sache etwas anders - und manch einer sieht wiederum genau darin das Problem.
Alles fing an im November 2010 mit kritischen Nachfragen von Arnd Zeigler, die dieser dem Trainer von Borussia Dortmund stellte. Jürgen Klopp spielte den Spaß nach einem 4-0 Sieg in Hannover mit und floskelte sich durch Fußballer-Phrasen, die man sonst hört, wenn Vereine gegen den Abstieg kämpfen. Klopp wurde mit Dortmund anschließend Meister und kopierte sein Ironie-Interview mit Arnd Zeigler daraufhin nochmal.
Doch nicht nur Klopp wiederholte den Witz, auch Holger Stanislawski tat es ihm gleich - gleich zweimal. Der heutiger Trainer vom 1.FC Köln witzelte in seiner Zeit in Hoffenheim im Stile eines Klopp vor der Kamera. Damals ging es um den heute beim FC Bayern tätigen Torhüter Tom Starke, der Stanislawskis Halbzeitansprachen lobte (übrigens bei einem Sieg Hoffenheims gegen Dortmund) und dafür zur Strafe vom so gelobten Trainer in einem Spaßinterview verulkt wurde.
Das war im Sommer 2011 und vermutlich würde sich niemand mehr an die damalige Hoffenheimer Hochphase erinnern, würde jetzt nicht ausgerechnet Stanislawskis neuer Arbeitgeber das Thema wieder aufbringen. Denn auch Stanislawski wiederholt seinen Witz: Nach dem Sieg gegen Union Berlin gab der Trainer dem offiziellen Vereinskanal des 1. FC Köln erneut ein Ironie-Interview - und sorgte damit für einige Aufregung im Netz.
Dabei diskutierten Fußball-Phänomem-Interessierte, ob das nun lustig oder eine Kopie sei. Wir legen uns fest: beides!
Was ist eigentlich ein Mashup? Wenn DJ Schmolli eines der bekanntesten Phänomeme des Jahres 2012 mit dem bisher bekanntesten Phänomem des Jahres 2013 zusammenbringt. Hier kommt Harlem Shake meets Gangnam Style.


