15 Minutes of Fame: Der Harlem Shake

Als Advokaten des fortgeschrittenen Internet-Quatsch’ freuen wir uns besonders über diesen Programm-Hinweis: ZDFinfo sendet heute ein neues Netzkultur-Magazin namens “15 Minutes of Fame”, das sich in jeweils einer Viertelstunden den Dingen widmet, die wir hier im Blog Phänomeme nennen: Webtrends, Internet-Meme und vermeintlicher Quatsch.

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Dass es sich dabei durchaus um eine ernstzunehmende, sehr aktive Form der Popkultur handelt, beweist die Pilotfolge, an der Phänomeme-Blogger Dirk von Gehlen als Interview-Partner und Berater mitwirkte. Man kann die "15 Minutes of Fame" in der ZDF-Mediathek anschauen oder im linearen Fernsehen: ZDFinfo, heute nacht 0:20 Uhr

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» Hier die Pilotfolge direkt anschauen

In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober kommen Phänomeme ins Fernsehen: Auf ZDFinfo läuft um 0:30 Uhr die erste Folge des neuen Netzkultur-Magazins "15 Minute of Fame".

In der Pilotfolge geht es um den Harlem Shake - neben der Autorin und Schriftstellerin Ingeborg Harms, der Meme-Forscherin Susan Blackmore, dem Pitchfork-Autor Andrew Ryce, dem Buzzfeed-Journalisten Ryan Broderick und der YouTube-Sprecherin Mounira Latrache kommt auch Phänomeme-Blogger Dirk von Gehlen zu Wort, der auch als Berater an der Sendung mitgearbeitet hat - die Tim Klimes entwickelt hat.

Hier den Text aus der Süddeutschen Zeitung im März 2013 nochmal nachlesen

Fünf Gründe, warum man die #IceBucketChallenge anschauen sollte - unabhängig vom guten Zweck

Es ist die vornehmste Eigenschaft des Populären, die einen zu erfreuen und die anderen zu nerven. Dieses Stadium hat die Eiskübel-Erfrischung aus den Vereinigten Staaten in der vergangenen Woche in Deutschland erreicht: #IceBucketChallenge - also das Eiswasser-Duschen für den guten Zweck - hat den Grad der Popularität erreicht, den viele mit Überdruß gleichsetzen.

Dabei wird in diesem Bereich “Pop” ja erst spannend - und so steckt auch in der viralen Wasserbewegung Erstaunliches, das den unemotionalen Blick verdient - z.B. diese fünf Dinge, die an der Eiskübel-Erfrischung bemerkenswert sind:

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(v.l.n.r. Manuel Neuer, Helene Fischer und Elyas M’Barek )

1. Aufmerksamkeit ist eine Währung

Auch wenn nun da und dort kritisiert wird, die Eiswasser-Erfrischer hierzulande ignorierten den guten Zweck, der dieser Aktion zugrunde liegt: Die IcebucketChallenge hat rund 69 Millionen Dollar Spendengelder mehr eingesammelt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, sie hat aber vor allem Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt, das vorher in der öffentlichen Wahrnehmung nicht vorkam. “Awareness” nennen Marketing-Menschen das - und  nicht nur die werden mit Erstaunen bemerkt haben, dass man dieses Ziel aller Marketing-Aktivitäten mit erstaunlich wenig Geld erreichen kann: Es ist nicht anzunehmen, dass Bastian Schweinsteiger (der übrigens die Südkurve des FC Bayern nominiert hat), Benedict Cumberbatch oder Patrick Stewart dafür bezahlt wurden, dass sie einen kurzen Werbespot gedreht und über ihre eigenen Verbreitungswege bekannt gemacht haben.

2. Der Wert einer guten Idee ist wichtiger als der Hoheit über Kanäle

Wie wichtig Kreativität ist, sieht man nicht nur an der sehr unterschiedlichen Art, mit der sich prominte aber auch nicht so prominente Menschen dieser Herausforderung stellen. Der Wert einer guten Idee ist überhaupt die Grundlage für dieses Spätsommer-Phänomem des Jahres 2014: der ehemalige Baseballspieler Pete Frates, der selber an ALS erkrankt ist, hat mit den Eiskübel-Herausforderungen eine Idee in die Welt gesetzt, die nun Kopiervorlage in Werbeagentur-Meetings überall auf der Welt sein wird: Wie kriegen wir auch so eine Idee hin, bei der eine banale Tätigkeit so vollführt wird, dass jeder sehen will, wie sie ausgeht? “Kübel eiskaltes Wasser über die Birne” wird lange Zeit unerreicht bleiben.

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(v.l.n.r. Anne Will, Sigmar Gabriel, Günter Jauch)

3. Die Plattformen verdienen an den Inhalten der anderen

Natürlich wird durch die zahllosen kleinen Werbeclips Aufmerksamkeit erzeugt und natürlich spenden auch viele Menschen Geld für die Organisation, die sich für den Kampf gegen ALS einsetzt. Zu den Profiteuren dieser Aktion zählen aber vor allem auch: Facebook und YouTube. Denn wo sollen George W. Bush, Kermit der Frosch oder Otto Waalkes denn ihre Videos zeigen wenn nicht auf Facebook oder YouTube? Nach den Regeln der klassischen Reklame heißt das: Die Menschen erstellen nicht nur selber Werbespots für eine Sache, sie überlassen deren Vermarktung auch anderen. Die Plattformen verdienen an den Inhalten der anderen - vermutlich nicht gerade schlecht.

4. Personen machen Politik

Früher setzten sich Politiker in Talkshows oder ließen sich in Daily-Soaps einladen, um volksnah zu wirken, heute gießen sie sich einen Kübel Eiswasser über die Rübe. Schlechte Nachricht für Kulturpessimisten: In Sachen Quatsch wird die Welt vielleicht gar nicht schlechter - nur eben anders. Selbst der deutsche Vizekanzler macht mittlerweile hier mit, weil er die Chance wittert als sympathisch wahrgenommen zu werden. Einzig an Angela Merkel (die sich ja selbst bei echter Politik eher raushält) und Barack Obama perlte die virale Wassersache bisher ab. Und selbst wenn Oliver Pocher einen ganzen Kübel Comedy auf der Idee aufbaut, Putin könne bei der IcebucketChallenge mitmachen: das scheint realistischer als dass Pochers Imitationen lustig werden. Denn es sind ja wirkliche Personen, die auf der Web-Bühne auftreten und sich nassmachen: Es ist keine Parodie, dass Günter Jauch Werbung für sein Weingut macht - und dabei Wasser auf den Kopf bekommt. Es ist keine Parodie, dass Sigmar Gabriel “seine Freundin” Mariette Slomka nominiert, mit der er vor einer Weile und öffentlich zankte. Auf der Webbühne agieren Personen, die IcebucketChallenge macht dies sichtbar - und damit auch politisch.

5. Man weiß es nicht

So sehr nach einem neuen Eiskübel-Mem gesucht werden wird, so schwierig wird es werden, einen Nachfolger zu finden. Denn wie auch beim Harlem Shake, dem vorgeworfen wurde inszeniert zu sein, wird auch hier gelten: Man weiß es nicht. Und genau das macht den besonderen Reiz an viralen Bewegungen aus - ob sie als gemeinsamer Zauber oder als banale Ketten-Bettelbriefe wahrgenommen werden, lässt sich nicht vorhersagen. Wer das nicht glaubt, sollte mal nach "Cold Water Challenge" im Web suchen. Dabei machen sich Feuerwehren nass, die populäre Kraft blieb den herausgeforderten Rettern aber versagt.

So lange virale Werbung diesen Faktor des Kontrollverlustes in sich trägt, wird sie spannend bleiben.

Mehr zur IceBucketChallenge und zum Konzept der Phänomeme - auch auf Süddeutsche.de

Silmeon Maldonado und Quinton Campbell stammen aus der texanischen Stadt Corpus Christi und glaubt man Daily Dot haben die beiden Brüder sowas wie den neuen Harlem Shake erfunden: der Wiggle Jiggle ist wohl im Süden der USA bereits sehr populär und Daily Dot will Zeichen dafür entdeckt haben, dass der Tanz sich nun auch im Netz wachsender Beliebtheit erfreut.

Wir sind skeptisch, weil bereits der Cup-Song und der Fox-Song als Harlem Shake Nachfolger gehandelt wurden, ohne das Vorbild wirklich zu erreichen.

Wie YouTube jetzt gerade die Popkultur verändert

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Gerade eben haben die Macher des YouTubeSpotlight-Kanals einen fünfminütigen Clip hochgeladen (und bewerben ihn mit einem kleinen Fuchs neben ihrem Logo), der einen Jahresrückblick aus der Perspektive des Phänomeme-Web liefert: "YouTube Rewind: What does 2013 say?" ist der Clip gewordene Beweis dafür, dass die Popkultur sich quasi vor unseren Augen verändert. Denn er zählt zu den wenigen Video, die von YouTube selber erstellt wurde. Und das hat einen guten Grund!

Zunächst ist der Clip nochmal aufwändiger, anspielungsreicher und voller als der 2012er Rückblick (der fast 130 Millionen Mal aufgerufen wurde). Zum zweiten zerlegt das Video trotz seiner hohen Referenz-Frequenz alle Ansätze von geheimem Popwissen: Unter dem Clip sind alle Bezüge fein säuberlich aufgelistet und es sind derer sehr sehr viele.

Jeder Clip, jeder Trend, jeder Song, der hier referenziert wird, wird dadurch geadelt: diese 5.47 Minuten sind die Zusammenfassung des Phänomeme-Jahres 2013. Wer hier dabei ist, hat es 2013 geschafft: vom (titelgebenden) norwegischen Fuchsgesang bis zum südkoreanischen Gentleman bringt dieser Rückblick nicht nur die Bilder des Phänomeme-Jahres zusammen, sondern auch dessen Akteure: Vom Kid President, der den Clip eröffnet über Laina, die als Overly Attached Girlfriend webbekannt wurde und aus dieser Prominenz nun eine Art zweite Karriere bauen will, bis zur Widmung für die 2013 vestorbene Tailia Castellano ganz am Ende nehmen die YouTube-Macher all den Internet-Quatsch, der in diesem Jahr durch ihre Kanäle gespült wurden, sehr ernst. So ernst, dass sie ihn selber zu einem hochprofessionellen eigenen Jahresmashup zusammenfügen.

Das hat zwei Gründe: Hier ist tatsächlich gerade eine völlig neue Form der Popkultur entstanden, die die Mechanismen der Referenzkultur neu und digital interpretiert. Wie enorm schnell (und schnelllebig) sie dabei ist, zeigt der Rückblick auf das unfassbar weit entfernt liegende 2012.  Das heißt aber nicht, dass sie dadurch weniger wichtig wäre. Denn jeder dieser Clips, jeder einzelne Aufruf bedeutet für YouTube Umsatz. Der kleine rote Kasten mit dem Fastforward-Rewind-Doppelpfeil, der durch den Rückblick gereicht wird, ist nicht nur das Verbindungselement zwischen den äußerst unterschiedlichen Clips: Er ist auch das Zeichen für den einzigen Anbieter, der vom Erfolg all dieser Akteure profitiert: YouTube!

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Im Rahmen der Berichterstattung über den Harlem Shake tauchten erstmals Zahlen auf, die belegen, wo in dieser neuen Form der Popkultur Geld verdient wird: nicht mehr (nur) beim Inhalteproduzenten, sondern bei denen, die die Plattform zur Verfügung stellen. Ein YouTube-Manager hatte sich verplappert und erklärt, sein Unternehmen habe allein mit der Werbebuchung auf dem 2012-Phänomeme Hit “Gangnam Style” mehr als acht Millionen Dollar Umsatz gemacht.

Es ist also nicht nur die für uns absolut nachvollziehbare Freude an der Phänomeme-Kultur, die YouTube dazu bringt, hier selber einen Clip zu produzieren - es ist auch eine Investition ins eigene Geschäftsmodell.

Und noch einen an der Waffel

Sie sehen: eine Waffel, die hochkant auf einer Küchenablage steht und wenige Augenblicke später vorn überkippt. Waffle Falling Over lautet die Beschreibung für diesen Vorgang, der das Phänomem der Stunde zu werden scheint (via Tobi)

Sie erleben: wie die Webgemeinschaft einen unspektakulären Vorgang zu einer verbindenden Gemeinsamkeit erhebt.

Vor einem Monat stellte der YouTube-Nutzer schnooleheletteletto den sechs-Sekunden Clip  ins Netz, der seit dem über eine halbe Million mal angeschaut wurde. Das an sich ist vor dem Hintergrund des gezeigten Inhalts völlig unverständlich, aber um den Inhalt geht es ja gerade nicht.

Der Grund für die zahlreichen Waffel-Zuschauer ist die Kopierkraft des Phänomeme-Web: die fallende Waffel wurde zur Vorlage für zahlreiche Remixe, die allesamt wie sehr elaborierte Witze funktionieren.

Die zum Beispiel am Montag von Henry Molski hochgeladene Breaking Bad-Edition des Clips bringt es nach zwei Tagen bereits auf über 300.000 Aufrufe. Der Grund: Molski hat die Ursprungssequenz kopiert und in den Augenblick des Fallens das Abschlussbild der überaus populären TV-Serie Breaking Bad montiert - die der Produzent Vince Gilligan stets in genau dieser spannungssteigernden Form enden lässt.

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Es gibt Waffel-Adaptionen der Sopranos, solche, die Surprised Patrick einbinden, das Fallen mit Musik unterlegen oder einfach ausbleiben lassen (zehn Minuten passiert nichts). Mashable hat das Thema aufgegriffen und das Phänomeme-Web freut sich über die fallende Waffel - unter anderem auch deshalb weil es von außen wirkt als hätten die, die sich dafür begeistern, einfach noch einen an der Waffel. Wie schon beim Harlem Shake entsteht so ein webweites Verstehen zwischen Menschen, die sich mit Hilfe fallenden Backwaren verschwörerisch zuzwinkern.

Das obige Video bewegt sich seit ein paar Tagen mit großer Geschwindigkeit durch die Welt der Phänomeme - es zeigt Bilder von einer katholischen Wallfahrt im polnischen Wejherowo, unterlegt mit der Musik des bekanntesten Phänomem des Jahres: dem Harlem Shake. Unter dem Titel “Harlem Saint” hat Poznanski Leming den Clip vergangene Woche auf Facebook gepostet. Über eine Million Mal wurde die polnische Version des Harlem Shake seitdem auf YouTube aufgerufen - und auch die Originalbilder bringen es bereits auf über 300.000 Aufrufe.

Zu sehen ist eine polnische Wallfahrtsbesonderheit, der so genannte Feretron-Tanz. So nennt man die tragbaren Bilder im Rahmen, die von jeweils vier Leuten getragen und dann sehr schnell bewegt werden. Kombiniert mit dem Harlem Shake-Sound wirkt es als sei das Bild beschleunigt, im Original sieht man aber: die Bewegungen sind in der Tat so schnell.

Und sie lassen sich, das hat das Internet natürlich auch schon gemerkt, selbstverständlich mit anderen Songs kombinieren: es steht zu befürchten, dass diese (in Deutschland gesperrte) One-Direction-Version nicht die einzige Neukombination bleiben wird.

Phänomem-nale Blogs: Nerdcore

Die Phänomeme machen Sommerpause. Deshalb hier ein Surftipp von anderswo - zum Beispiel das Nerdcoreblog

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Die Fragen beantwortet Rene

Warum Nerdcore-Blog?
Nerdcore ist eine Wortschöpfung auf Hardcore und Nerds, hat aber nichts mit dem gleichnamigen Hip Hop-Subgenre zu tun. Das steht einerseits für die Leidenschaft für Themen und die Verspieltheit von Nerds, andererseits für Intensität und Kompromisslosigkeit. 

Am Anfang war Nerdcore noch viel Entertainment-lastiger und Nerdcore stand da für erstmal für Musik, Games, Design und Filme. Ich war immer derjenige im Büro, der die Leute mit Mails genervt hat, in denen stand “Guck/Hör Dir das an!”, das hab ich dann einfach ins Blog verlagert. Letztlich gehts glaube ich auch ein bisschen um Druck, Gas geben, Hardcore eben – das äußert sich dann sowohl in den Themen als auch in der Postingfrequenz.

Wer soll das alles lesen?
Zunächst mal ich. NC ist mein Notizblog, auf dem ich alles aufschreibe, was mir bemerkenswert erscheint. Das hat sich in all der Zeit – ich mach den Quatsch jetzt seit 8 Jahren – nie geändert und wenn andere Leute das toll finden, müssen sie eben mit der Frequenz klarkommen, das können auch mal über 20 Postings am Tag sein, wenn’s das Netz grade hergibt.

Ich sehe Nerdcore ganz gerne als Feed, der so durchrutscht und in den man sich einklinkt. Dann muss man dann auch nicht alles lesen. Man geht auf die Seite, holt sich eine gesunde Portion Kickass oder Weirdness oder was grade so ansteht und geht dann wieder, oder man nimmt NC der Einfachheit halber gleich über Facebook, Tumblr oder Twitter mit, wo ich ja auch alles reinfließen lasse.

Und – das mag jetzt den ein oder anderen überraschen – ich versuche ja auch, nicht wahllos jeden Scheiß zu posten, nur weil er grade rumgereicht wird, mein Filter ist da ziemlich engmaschig, ich lese/scanne am Tag circa 3000 Headlines und Postings, da bleiben bei 20 Posts nur 0,6% hängen und das ist eben der Kram, der aus irgendeinem Grund besonders ist. Ich versuche auch, das am Tagesgeschehen auszurichten und ich selbst finde Memes oder Kunst und auch Nonsense vor allem dann spannend, wenn er politisch unterfüttert ist und auf mehreren Ebenen funktioniert.


Beste eigene Inspriations-Quelle?
Im Netz waren das am Anfang die ganzen Designportale wie Pixelsurgeon oder k10k, die gibt’s ja heute nicht mehr. Als ich dann immer mehr mit der Blogosphäre zu tun hatte, war Spreeblick das Vorbild, wo ich ja dann auch ein paar Jahre mitgebloggt habe. Seit einem Jahr lasse ich mich im Netz aber vor allem von der New Aesthetic inspirieren und dem dazugehörenden Tumblr. Da gehts um Auswirkungen von Technologie und wie die strukturell aussehen und in welchen Mustern die sich in der Realität manifestieren, da formt sich ganz schnell ein Bild “echter” Maschinenästhetik, die ihren Ursprung in AI-Systemen und Algorithmen hat. Digitales als Sinnesorgan mit eigenem Blick auf die Welt. Finde ich äußerst spannend!


Facebook oder Twitter?
Beides sind Werkzeuge, die prima funktionieren. Twitter nutze ich eher zur kurzfristigen direkten Kommunikation oder auch mal Experimente – ich hab’ da mal die komplette Hörspielversion von Ali Baba und die 40 Räuber transkribiert, an drei Abenden, weil ich ständig an die Posting-Obergrenze gestoßen bin –, auf Facebook lässt sich gut crowdsourced recherchieren und die Sharing-Funktion ist die zweitbeste im Netz, nur geschlagen von Tumblr. Und beides fliesst dann indirekt wieder ins Blog. Twitter und Facebook sind wie Hammer und Schraubenzieher, man braucht beides.


Aktuelles Lieblings-Mem?
Ich mochte die Game-Memes während der Aufstände in der Türkei sehr gerne und ich bin auch immer noch großer Fan vom Harlem Shake und fand es da sehr schade, dass jemand vom MIT mit einem eher halbdurchdachten Artikel da mit Verschwörungstheorien durchgekommen ist… diese Meme hatte sich ja dann auch in Tanz-Protesten in Tunesien geäußert, die dann wiederum von der Muslim Brotherhood ihrerseits mit einem Harlem Shake beantwortet wurden… politische Kommunikation opponierender Parteien über Internet-Memes, das war tatsächlich neu. Toll!


Was fehlt?
Eine starke und geschlossene Piratenpartei, mehr Blogger in Deutschland, die nicht nur alle zwei Wochen mal ein “Hach, mir ist so blümerant” ins Blog schreiben, die Star Wars-Originalfassungen remastered auf BluRay, gesetzlich verankerte Netzneutralität, eine Einigung zwischen Youtube und GEMA, ein Filterblog für tolle Crowdfunding-Projekte, Christoph Schlingensief (der fehlt sogar sehr, den hätte ich zu gerne auf Twitter erlebt), ein (neuer) guter Film von John Carpenter, ein deutsches Reddit, Fair Use hierzulande, eine Entflechtung des Filzes in der deutschen Kulturförderung, Roche & Böhmermann, der Weltfrieden und Pizza. Man kann niemals genug Pizza haben.

Gentleman - eine Phänomeme-Fortsetzung?

Der Zauber der viralen Verbreitung im Netz gründet sich auch darauf, dass man sie so schwer vorhersagen kann. Man kann sie beeinflußen, sie befördern, aber eben nicht vorherbestimmen. Auch deshalb sind wirkliche Phänomeme-Forsetzungen eher selten, aber offenbar nicht unmöglich wie der südkoreanische Rapper PSY in diesen Tagen mit seiner Gangnam-Style Fortsetzung beweist

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Das Video zu Gentleman legt jedenfalls beeindruckende Zahlen vor. Es ist der Musik-Clip, der am schnellsten die 100 Millionen-Views-Marke erreicht hat: innerhalb von drei Tagen. Das ist zwei Wochen schneller als Lady Gagas Bad Romance, die vorher diesen Rekord hielt.

Erstaunlich an all dem ist: Der Clip ähnelt in fast allem seinem Vorgänger. Er zeigt den Rapper in rüpelhaften Situationen mit besonderen Tanzschritten und ist erneut in Deutschland auf YouTube nicht zu sehen ( hier mehr zu den Hintergründen) Zusätzlich hat jetzt aber auch ein koreanischer Sender den Clip verbannt: Auf KBS läuft das Video nicht mehr, weil PSY darin ein Absperrunghütchen wegtritt. Damit rufe er zur Zerstörung öffentlichen Eigentums auf. Eine Anekdote, die das Video im Gespräch hält. 

Und darum geht es bei all den Viral-Versuchen natürlich: das Gespräch am Laufen zu halten. Deshalb flog PSY zur Videopremiere vor 50.000 Zuschauern in einer Arena in Seoul ein und coverte Beyonces “Single Ladies” im roten Overall.

Eine besonders lukrative Form der Gesprächsbefeuerung sind die zahlreichen Produkt-Bezüge, die in dem Clip gezeigt werden. So läuft PSY relativ unmotiviert an einem Papierstapel der Firma Double A vorbei (für die er auch offiziell wirbt), er lädt eine App runter und trinkt eine eindeutig erkennbare koreanische Biermarke. Obwohl PSY zu einigen dieser Firmen Geschäftsbeziehungen unterhält, will sein Management diese werblichen Verweise als Zeichen der Dankbarkeit verstanden wissen, für die kein Geld geflossen sei.

Nicht erst nach den Zahlen des Vorgänger-Clips Gangnam-Style kann man aber davon ausgehen, dass nach Veröffentlichung der Bezüge Geld fließen wird: die Marken werden von der Öffentlichkeit enorm profitieren.

Nächste Runde: Junges öffentlich-rechtliches Programm und Phänomeme. Nachdem man von Hamburg bis Saarbrücken gezappelt hat, zeigt das junge Programm von Mainz bis Köln nun, dass es Superkräfte besitzt.



Diese reichen zwar nicht immer um die Anstalten zu revolutionieren, aber um am vermeintlich nächsten Harlem-Shake-Nachfolger mitzutun, reichen sie sehr wohl: Im Norden bei N-Joy (wo wir das obige Bild rebloggen) nennt man es Hadoukening genau wie bei den on3-Kollegen aus dem Süden, bei EinsLive nennt man es Dragonballing, bei ZDFneo spricht man vom Vadering und bei DasDing (was ja selber wie ein verhindertes Phänomem klingt) verwendet man einfach alle Begriffe gemeinsam.



Das ist durchaus nachvollziehbar, weil das Superkräfte-Phänomem nicht wirklich eindeutig benennbar ist. Ursprünglich stammt es unter dem Begriff Makankosappo aus Japan und gewann in den vergangenen Tagen an Fahrt. Menschen zeigen Bilder von sich, die so wirken als seien sie mit Superkräften ausgestattet, die es ihnen erlauben, ihr Gegenüber zu würgen bzw. durch die Luft fliegen zu lassen (oder beides). Das sieht dann so aus als stamme das Bild aus einem Film oder Computerspiel. Und daher kommt das Phänomem auch ursprünglich - aus der Zeichentrick-Serie Dragon Ball. 

Nachtrag: die Kollegen von dasding weisen uns völlig zu Recht auf ihre Bildergalerie zum Thema hin!

Nächste Runde: Junges öffentlich-rechtliches Programm und Phänomeme. Nachdem man von Hamburg bis Saarbrücken gezappelt hat, zeigt das junge Programm von Mainz bis Köln nun, dass es Superkräfte besitzt.

Diese reichen zwar nicht immer um die Anstalten zu revolutionieren, aber um am vermeintlich nächsten Harlem-Shake-Nachfolger mitzutun, reichen sie sehr wohl: Im Norden bei N-Joy (wo wir das obige Bild rebloggen) nennt man es Hadoukening genau wie bei den on3-Kollegen aus dem Süden, bei EinsLive nennt man es Dragonballing, bei ZDFneo spricht man vom Vadering und bei DasDing (was ja selber wie ein verhindertes Phänomem klingt) verwendet man einfach alle Begriffe gemeinsam.

Das ist durchaus nachvollziehbar, weil das Superkräfte-Phänomem nicht wirklich eindeutig benennbar ist. Ursprünglich stammt es unter dem Begriff Makankosappo aus Japan und gewann in den vergangenen Tagen an Fahrt. Menschen zeigen Bilder von sich, die so wirken als seien sie mit Superkräften ausgestattet, die es ihnen erlauben, ihr Gegenüber zu würgen bzw. durch die Luft fliegen zu lassen (oder beides). Das sieht dann so aus als stamme das Bild aus einem Film oder Computerspiel. Und daher kommt das Phänomem auch ursprünglich - aus der Zeichentrick-Serie Dragon Ball

Nachtrag: die Kollegen von dasding weisen uns völlig zu Recht auf ihre Bildergalerie zum Thema hin!