Sehr wohl beeindruckt: Obama und die neue Dimension des “Cool”

Es gab mal eine Zeit, da konnte man sich das geheime Wissen, das die Coolen von den Unwissenden unterscheidet, einfach so kaufen. Man stellte es sich ins Regal und zeigte damit: Ich habe all diese Bücher/Platten gekauft, konsumiert und bin deshalb sehr gebildet. Wer einen solchen Bücherschrank bzw. ein solches Plattenregal hinter sich wusste, nutzte Distinktion quasi als Einrichtungsgegenstand und war somit auf alle Referenz-Anspielungen vorbereitet.

Das Internet hat den Wert dieser Art des geheimen Wissens verändert. Natürlich kann man sich als Experte noch immer vor Platten- oder Buchregalen zeigen, aber ob man eine Referenz-Anspielung erkennt oder nicht, kann man dort nicht mehr einfach nachschlagen oder nachhören. Den Bild-Beweis für diese Form der Demokratisierung des Popstrebertums lieferte diese Woche Barack Obama. Das präsidiale Cool, das Andrian Kreye zum Wahlkampfauftakt lobte hat der frisch gewählte POTUS (President of United States) auf eine neue Ebene gehoben - wie man auf der Flickr-Seite des Weißen Hauses (Foto) sehen kann:

Obama steht neben einer jungen Dame, die im Hauptberuf Turnerin ist: Weltweit bekannt wurde McKayla Maroney jedoch nicht durch eine Turnübung, sondern durch einen Gesichtsausdruck - vorgetragen bei der Siegerehrung während der Olympischen Spiele 2012 in London: mit verschränkten Armen und schiefem Mund quittierte sie den Erhalt der Silbermedaille. Die 16-Jährige hatte sich mehr erwartet und lieferte mit ihrem “not impressed”-Gesichtsausdruck die Vorlage für eine wahre Flut an Bildmontagen, die auf der Seite McKayla is not impressed gesammelt werden. Mit dabei: McKaylas Unmut mit einem neuen Smartphone, ihre Reaktion auf Lance Armstrongs Doping-Debakel, auf Filmklassiker oder die Weltpolitik .

Als McKayla Maroney nun in der vergangenen Woche gemeinsam mit Turn-Kolleginnen zu Besuch im Weißen Haus war, bewies der Präsident, dass er die neue Dimension von Cool nicht nur verstanden hat, sondern sehr selbstverständlich umsetzen kann. Er setzte einfach das “not impressed”-Gesicht auf und ließ sich mit McKayla fotografieren. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, es wird für deutsche Politiker sehr sehr schwer, diesen Mann zu kopieren.